Demenz und Sterben Lamp Logokl

Die letzte Lebensphase eines an Demenz erkrankten Menschen

          Ein sterbender Mensch braucht zuallererst  Liebe.
          Um liebend nah zu sein, braucht es kein Expertenwissen!

Stirbt man an Demenz?

Kann ich meinen sterbenden Demenz erkrankten Angehörigen bis zuletzt zu Hause pflegen?

Woran erkennt man Sterben?

Spüren Demenzerkrankte ihr Sterben?

Wie kann man für Notfälle vorsorgen?

Was kann man für einen Sterbenden tun?

Wie ist es, beim Sterben dabei zu sein?

Wie lange darf ein Verstorbener daheim bleiben?


Stirbt man an Demenz?

Obwohl eine Demenz die Lebenserwartung verkürzt, gilt die Erkrankung selbst nicht als Todesursache. Oft werden es eher unsere Probleme der Versorgung, Pflege und Begleitung sein, die dazu beitragen, dass Menschen mit einer Demenzerkrankung früher sterben als ihre Altersgenossen ohne Demenz.

Die Erkrankten sterben meistens an Abmagerung (Kachexie) oder Austrocknung(Dehydratation), Lungenentzündung oder einem akuten Herz-Kreislauf-Versagen.

Ein Mensch kann natürlich in jeder Phase der Demenz sterben – als Folge einer anderen Erkrankung (z.B. Krebs) oder eines Unfalls (z.B. als Folge eines Sturzes). Sterben geschieht „normalerweise in der letzten Phase der Demenz (schwere Demenz), auch hier aber in einem länger dauernden Prozess, ehe jemand in die „akute Phase des Sterbens kommt.

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Kann ich meinen sterbenden Demenz erkrankten Angehörigen bis zuletzt zu Hause pflegen?

Dazu möchte ich Ihnen unbedingt Mut machen!

Damit sich der Sterbende zu Hause fühlen kann, bedarf es keines sterilen Krankenzimmers, sondern eines wohnlichen Raumes, der für Sie gut erreichbar ist. Deshalb ist zu überlegen, in welchem Zimmer der Sterbende bis zuletzt gut leben kann. Vielleicht ist jetzt die Verlegung des bettlägrigen Menschen in einen anderen Raum sinnvoll. 

Für die Pflege ist ein geeignetes Bett (evtl. ein von der Krankenkasse geliehenes Pflegebett) sinnvoll, an das man von allen Seiten bei der Pflege herantreten kann, das in der Höhe verstellbar ist und möglichst bis ganz zum Boden absenkbar ist (Sturzprophylaxe; so u.U. sinnvoller als Bettgitter).

Um die Pflege zu Hause durchführen zu können, sind verschiedene  Pflegehilfsmittel notwendig und hilfreich. Meistens benötigt man neben dem Pflegebett

  • eine ausreichende Anzahl von Bettwäsche, Bettlaken
  • sowie Stecklaken
  • Kissen zur Lagerung und geeignete Decken
  • genügend Nachtwäsche
  • Zahn- und Mundpflegeartikel (Pipette oder kleine Spritze, um mit Flüssigkeit den  Mund  befeuchten zu können, Rosenöl, Butter oder Sahne in einem kleinen  Töpfchen, um die spröden Lippen einzureiben)
  • ausreichend Bade- und Handtücher sowie Waschlappen
  • ggf. eine Urinflasche, eine Bettpfanne und einen Toilettenstuhl
  • ausreichend Inkontinenzmaterial
  • Hilfsmittel zur Verhinderung des Wundliegens (z. B. eine Dekubitusmatratze)

Fragen Sie den Pflegedienst oder die Pflegeberatung vor Ort, welche Hilfsmittel in Ihrem Fall sinnvoll sind und welche von der Krankenkasse finanziert werden.

Holen Sie sich Unterstützung von der örtlichen Hospizinitiative. Adressen finden Sie hier.

Und ehe Ihnen alles über den Kopf wächst, scheuen Sie nicht, ein Pflegeheim oder Hospiz vor Ort um Hilfe zu bitten. (Gut ist es, wenn Sie diesen Kontakt schon frühzeitig herstellen, ohne dass es konkreten Bedarf dafür gibt. Wenn man einander kennt, dann kann man im Bedarfsfall oft schneller und effektiver handeln.)

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Woran erkennt man Sterben?

Meist (aber nicht immer) wird es wohl so sein, dass eine Zeit der Bettlägrigkeit dem Sterben vorausgeht. Damit verbunden sind dann oft Wunden, die durch das Liegen entstehen (so genannte Dekubiti). In der letzten Phase der Demenz können die Erkrankten nur noch wenige Worte sprechen und nicht mehr lächeln. Die Ängste nehmen zu. Harn- und Stuhlinkontinenz verschärft sich. Kontrakturen (dauerhafte Verkürzung von Sehnen, Muskeln und Bändern, die z.B. zu verkrümmter Handhaltung führt) nehmen zu. Die Erkrankten haben immer weniger Interesse an Essen und Trinken. Außenkontakte werden immer weniger.

Obwohl man solche Phänomene beschreiben kann, sind die individuellen Unterschiede sehr groß. Sprechen Sie mit den Pflegenden, begleitenden Ehrenamtlichen und dem Hausarzt und fragen Sie nach deren Wahrnehmung! Vergessen Sie nicht, Ihrer eigenen Intuition zu trauen! Im gemeinsamen Austausch werden Sie wahrnehmen, „was jetzt ist!

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Spüren Demenzerkrankte ihr Sterben?

Bei vielen Fachleuten gilt als gesicherte Erkenntnis, dass Menschen mit Demenz aufgrund ihrer kognitiven Einschränkungen die Einsicht in die  eigene Endlichkeit fehlt: Sie wissen und merken nicht, dass sie sterben.

Es gibt aber nicht nur ein verstandesmäßiges Erfassen von Sterben. Praktiker beschreiben, dass Menschen mit Demenz das herannahende Ende „erspüren.

Wenn wir davon ausgehen, dass sie den Tod spüren, wird das unser Verhalten prägen – und das ist doch sehr wichtig.

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Wie kann man für Notfälle vorsorgen?

Es ist wichtig, dass man mit dem Pflegedienst in Rücksprache mit dem Hausarzt frühzeitig einen Notfallplan erstellt, der festlegt, was in Notfällen zu tun ist:

Notfallplan

 

 

Wer ist zu rufen?

Namen

Telefon

Angehörige

 

 

Nachbarn

 

 

Pflegedienst

 

 

Seelsorger

 

 

Hausarzt

 

 

PalliativeCare-Team

 

 

Demenz-Service

 

 

Ambulanter Hospizdienst

 

 

Welche Medikamente sind

für welchen Fall bereit gehalten?

Dosierung

 

bei Schmerzen

 

 

bei Verstopfung/Durchfall

 

 

bei Darmverschluss

 

 

bei Lungenentzündung

 

 

...

 

Welche Maßnahmen sind zu ergreifen?

in welchem Fall?

was braucht man dazu?

 

bei Schluckstörungen

 

 

bei Angst-/Unruhezuständen

 

 

...

 

Welche Apotheke hat Notdienst?

 

 

Soll Ihr Angehöriger noch ins Krankenhaus gebracht werden?

Patientenverfügung

 

 

Gesundheitsvorsorgevollmacht

liegt vor
liegt nicht vor

 

 

liegt vor
liegt nicht vor

Soll sie/er wiederbelebt werden?

 

 

       
       

       

       

       

       

        

       

       

       

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

Um einen Notfallplan zu erstellen, ist es gut, den mutmaßlichen Willen des Erkrankten zu kennen.  Patientenverfügungen sind für solche Entscheidungen hilfreiche Ergänzungen einer Gesundheitsvorsorgevollmacht. Patientenverfügung und Gesundheitsvorsorgevollmacht sollten griffbereit beim Notfallplan liegen.

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Was kann man für einen Sterbenden tun?

Auch sterbende Menschen mit Demenz brauchen Zuwendung, Trost, Nähe, um mit der  Angst klar zu kommen, die mit dem Ende aller körperlichen Funktionen einhergeht. Man darf davon ausgehen, dass sich menschliche Nähe bis zum letzten Atemzug eines Menschen vermittelt. So wird es auch einem Menschen mit Demenz gut tun, im Sterben nicht allein zu sein.

Der Kontakt zu Menschen mit Demenz  geschieht über alles sinnlich Erlebbare: Foto von Anne Caspers: Snoezelen

Wenn der Erkrankte auch die Worte nicht mehr versteht, spürt er am Klang einer Stimme, ob es jemand gut mit ihm oder ihr meint.

Berührung kann jetzt vielleicht helfen, in Kontakt zu treten.

Ein Lächeln, Schweiß abwischen von der Stirn, den trockenen Mund befeuchten, in den Arm nehmen – all das braucht der an Demenz erkrankte Sterbende wie jeder andere Mensch auch.

Ein gesummtes oder gesungenes Lied, eine Musik von einer CD können Angst nehmen.

Ein Tröpfchen Bier oder Kakao mit einer Pipette auf den Mund appliziert, kann etwas vom Geschmack des Lebens erinnern und schmecken lassen.

Warmes Licht kann wohl tun.

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Wie ist es, beim Sterben dabei zu sein?

Viele haben Angst, beim Sterben dabei zu sein. Das ist normal! Es hat ganz unterschiedliche Ursachen: unser natürlicher Widerstand gegen das unwiderbringliche Ende des Lebens; vorangegangene schlechte Erfahrungen; Erschöpfung aufgrund der langen Zeit der Pflege und Begleitung... Vielleicht liegt es auch daran, dass es für jemanden das erste Mal ist, dass er mit dem Sterben konfrontiert ist, dass ihn die Vorstellung, dabei zu sein, ängstigt. Bestimmt ist es oft die Angst vor dem Schmerz und der Trauer, den der endgültige Abschied mit sich bringt, die uns „am liebsten fortlaufen lässt.

Der sterbende Mensch braucht den Menschen.

So braucht er also unseren Mut, die Angst zu überwinden und ihm bis zum letzten Atemzug menschlich nah zu sein. (Was nicht heißen soll, dass Menschen nicht auch manchmal ganz bewusst das Alleinsein für ihr Sterben wählen.)

Der Sterbende ist vielleicht unruhig und selber angstvoll. Er wehrt vielleicht Pflege (Körperpflege, Lagerung, Spritzen usw.), Nahrung, Berührung ab. Oder er dämmert nur noch vor sich hin.

Die letzten Stunden können sehr verschieden aussehen, Und über die genaue Dauer dieses „akuten Sterbens kann weder Arzt noch Pflegekraft sichere Auskunft geben.

So ist es gut, wenn Sie sich erlauben, zwischendurch immer mal wieder aus dem Zimmer herauszugehen. Atmen Sie durch; bewegen Sie sich. Vergessen Sie Essen und Trinken nicht! Im Zimmer können Sie laut oder leise lesen, Musik hören, selber singen, beten, eine Duftlampe aufstellen – alles, was dem Sterbenden wohl tun könnte, ist jetzt gut und hilfreich, und alles, was Ihnen hilft, die Situation gut auszuhalten, und wohl tut, ist in Ordnung. Vergessen Sie nicht, sich bequem hinzusitzen oder auch zwischendurch die Füße hochzulegen!

Die letzten Stunden des Lebens sind oft anstrengend. Der sterbende Mensch atmet schwer oder rasselnd, weil er den Schleim (das Speichelsekret des Mundes und Sekret der Bronchien) nicht wegschlucken und nicht abhusten kann. Das ist schwer mit anzuhören und mit anzusehen. Der Betroffene leidet daran nicht. (Dafür sorgt unter anderem unser Gehirn.)

Plötzlich tritt dann die Stille ein, wenn der Mensch seinen letzten Atemzug getan hat. Die Gesichtszüge entspannen sich.

Für mich ist es ein heiliger Moment, wenn ein Mensch stirbt. Manchmal hat man für Minuten oder Stunden noch das Gefühl von Präsenz des Verstorbenen. Manchmal ist er ganz schnell in unserem Erleben „ganz tot.

Jetzt braucht's keine Hektik. Es ist genügend Zeit zu verharren, ehe Sie den Arzt rufen, der den Totenschein ausstellen muss. (Am besten klären Sie das mit dem Hausarzt, wann Sie ihn rufen sollen und können, damit Sie auch in der Nacht sicher wissen, was zu tun ist.) Den Bestatter erreichen Sie, wann immer Sie das wollen – gewöhnlich haben Bestatter eine 24-Stunden-Rufbereitschaft. Rufen Sie Angehörige und Freunde an, damit sie sich am Totenbett verabschieden können, wenn sie das wünschen.

Wenn man im Moment des Übergangs nicht dabei sein konnte, dann kann es trotzdem gut sein, noch einen Moment am Sterbebett zu verweilen. Sie können den Frieden wahrnehmen, die Erlösung vom Leiden, den Tod begreifen. Sie können letzte Worte dem körperlich noch anwesenden Menschen mitgeben, ehe auch diese körperliche Anwesenheit Ihnen für immer entzogen wird.

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Wie lange darf ein Verstorbener daheim bleiben?

36 Stunden dürfen Sie Ihren verstorbenen Angehörigen auf jeden Fall zu Hause behalten, wenn Sie das möchten. Ihr Bestatter berät Sie gerne.

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© Ida Lamp, Düsseldorf

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